Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

09.02.2018

Irak: Massenhinrichtungen von IS-Kämpfern?

 

Human Rights Watch (HRW) hat den kurdischen Sicherheitskräften im Nordirak die außergerichtliche Hinrichtung hunderter Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Die kurdischen Polizeikräfte Assajesch hätten vergangenen Sommer eine Woche lang jede Nacht nahe der Ortschaft Sumar gefangene IS-Mitglieder getötet, erklärte die stellvertretende HRW-Direktorin für den Nahen Osten. Womöglich seien so mehrere hundert männliche Gefangene erschossen worden, erklärte sie. Die Leichen sollen in einem Massengrab verscharrt worden sein. HRW stützt sich auf die Aussagen eines früheren Mitglieds der kurdischen Sicherheitskräfte und von sechs Anwohnern. Demnach erfolgten die Hinrichtungen zwischen dem 28. August und dem 3. September. Ein Vertreter der kurdischen Autonomieregion bestritt die Angaben. Vermutlich seien die bei Kämpfen getöteten IS-Anhänger an einen Ort gebracht und dort begraben worden. Allerdings liegt das Massengrab laut HRW 40 Kilometer vom Ort der Kämpfe entfernt. Außerdem sei damit nicht erklärt, warum die Leichen laut den Augenzeugen alle mit einer Kugel im Kopf gefunden wurden, erklärte die Menschenrechtsorganisation.

07.02.2018

Pakistan: Todesurteil wegen Lynchmords an einem Studenten

 

Rund zehn Monate nach dem brutalen Lynchmord an einem pakistanischen Studenten wegen falscher Blasphemievorwürfe hat ein Gericht nach Medienberichten einen der insgesamt 61 Angeklagten zum Tod verurteilt. Fünf Menschen müssten für 25 Jahre ins Gefängnis, 25 Angeklagte hätten vierjährige Haftstrafen erhalten und 26 seien freigelassen worden. Gotteslästerung ist im muslimisch-konservativen Pakistan mit seinen vielen islamistischen Gruppen ein sensibles Thema, das immer wieder emotionale Massenversammlungen und Akte von Selbstjustiz auslöst. Der Mord hatte landesweit, aber auch international eine Debatte über den Missbrauch der strengen Blasphemiegesetze des Landes ausgelöst, die unter Umständen sogar die Todesstrafe für angemessen halten. Im April 2017 hatten auf dem Campus der Universität von Mardan in Nordwestpakistan Dutzende Männer Mashal Khan (23) angegriffen, ihn geschlagen, auf ihn geschossen und ihn aus dem zweiten Stock geworfen. Sie hatten Gerüchte gehört, dass er im Internet gotteslästerliche Inhalte verbreitet habe. Das stellte sich später als falsch heraus. Ermittler sagten laut Medienberichten, dass ein Student und ein Mitarbeiter der Universität die Vorwürfe erfunden hätten, um ihn loszuwerden.

06.02.2018

Somalia: Todesurteil für Attentäter von Mogadischu

 

Dreieinhalb Monate nach dem schlimmsten Bombenanschlag in der Geschichte Somalias hat ein Militärgericht einen 23-Jährigen als Drahtzieher des Angriffs zum Tod verurteilt. Das Gericht in der Hauptstadt Mogadischu verhängte gegen Hassan Adan Isaq die Todesstrafe, die durch ein Erschießungskommando vollstreckt werden soll. Nach Überzeugung der Richter befehligte er eine Zelle der islamistischen Al-Shabaab-Miliz, die am 14. Oktober in Mogadischu einen Lastwagen in die Luft gesprengt hatte. Bei dem Anschlag auf einer stark befahrenen Kreuzung waren mehr als 500 Menschen getötet und fast 300 weitere Menschen verletzt worden. Wann das Todesurteil vollstreckt werden soll, ließ das Gericht offen. Ein weiterer Angeklagter wurde in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Er soll den Lastwagen für den Anschlag besorgt haben. Die Shabaab-Miliz kämpft in dem Land am Horn von Afrika seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats.

John Battaglia
John Battaglia

02.02.2018

Texas: John Battaglia hingerichtet

 

Mit rund drei Stunden Verspätung wurde am Donnerstagabend der 62-jährige John David Battaglia durch den US-Bundesstaat Texas mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet. Die Hinrichtung war bereits mehrfach verschoben worden. Auch dieses Mal hatten Battaglias Anwälte Anträge auf Aufschub bei verschiedenen Gerichten eingereicht, sie wurden jedoch abgelehnt. Die Anwälte argumentierten, ihr Mandant leide an einer psychischen Krankheit und Wahnvorstellungen und könne gar nicht verstehen, warum er bestraft werde. Battaglia hatte 2001 seine beiden sechs- und neunjährigen Töchter erschossen, als sie bei ihm zu Besuch waren. Seine Ex-Frau hatte die Tat am Telefon miterlebt. Sie hatte ihn zuvor wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen angezeigt. "Wir sehen uns alle auf der anderen Seite", waren seine letzten Worte, nachdem er seine Ex-Frau begrüßt hatte, die vom Zeugenraum aus der Hinrichtung beiwohnte.

02.02.2018

Vietnam: Offenbar keine Todesstrafe für Trinh Xuan Than

 

Der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh muss in seiner Heimat Vietnam offensichtlich kein Todesurteil mehr befürchten. Der Fall hatte in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt, weil der Mann mutmaßlich aus der Bundesrepublik entführt worden war. Die Staatsanwaltschaft verzichtete nach Angaben eines Verteidigers auch in einem zweiten Korruptionsprozess in der Hauptstadt Hanoi darauf, die Todesstrafe zu fordern. Sie verlangt für den 52-Jährigen jedoch lebenslange Haft. Der Prozess gegen den einstigen kommunistischen Spitzenfunktionär wurde am Freitag nach mehrtägiger Pause fortgesetzt. Das Urteil wird nächste Woche erwartet, vermutlich am Mittwoch. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam massiv. Thanh war bereits in einem ersten Verfahren wegen Korruption und Misswirtschaft zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

 

Weitere Informationen:

Aus Berlin verschleppter Vietnamese entgeht dem Todesurteil

01.02.2018

Dritte Exekution Minderjähriger im Iran in einem Monat

 

Am Dienstag soll in einem Gefängnis im Iran eine junge Frau namens Mahbubeh Mofidi gehängt worden sein. Sie sei erst 17 Jahre alt gewesen, als sie gemeinsam mit ihrem Schwager im Dezember 2013 ihren Ehemann einen Monat nach der Hochzeit getötet habe. Ebenfalls im Januar wurden im Iran Ali Kazemi und Amir Hossein Pourjafar hingerichtet, die die ihnen zur Last gelegten Morde im Alter von 15 bzw. 16 Jahren begangen haben sollen. Internationales Recht, das auch vom Iran ratifiziert wurde, verbietet die Hinrichtung von Tätern, die zur Tatzeit noch keine 18 Jahre alt waren. Die Exekution Minderjähriger ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs in der Hinrichtungspraxis des Iran, der auf die Einwohnerzahl umgerechnet weltweit mit Abstand die meisten Todesurteile vollstreckt, manche davon sogar öffentlich vor zahlreichen Zuschauern, unter denen sich auch Kinder befinden, die mitansehen, wie Menschen an Baukränen aufgehängt werden.

 

Weitere Informationen:

Iran: Hinrichtungswelle geht weiter

Kritik an Hinrichtung minderjähriger Straftäter im Iran

Execution of a Juvenile Offender in Iran

Iran: Juvenile Offender, Amir Hossein Pourjafar Executed

IRAN: TWO PRISONERS HANGED ON MURDER CHARGES

IRAN: PRISONER EXECUTED AT SHIRAZ PRISONIRAN: TWO PRISONERS EXECUTED AT KARAJ CENTRAL PRISON

IRAN: PRISONER EXECUTED AT BABOL PRISON

IRAN: MAN EXECUTED IN QAZVIN FOR MURDER

01.02.2018

Hinrichtung in Pakistan

 

Im Zentralgefängnis von Faisalabad in Pakistan ist ein Mann hingerichtet worden. Manzoor Ahmad war zum Tod verurteilt, weil er 2005 seine Schwägerin und deren zwei Töchter in einer häuslichen Auseinandersetzung getötet haben soll. Sein Leichnam wurde nach der Exekution seinen Angehörigen zur Beisetzung ausgehändigt.

 

Weitere Informationen:

Pakistan: Regierung überlegt, wieder öffentlich hinrichten zu lassen

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: Januar 2018