Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

Bobby Joe Long
Bobby Joe Long

24.05.2019

Florida: Bobby Joe Long hingerichtet

 

Am Donnerstagabend wurde im US-Bundesstaat Florida der 65-jährige Bobby Joe Long mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war ein Serienmörder und hatte 1984 acht oder zehn - die Zahlen variieren in den Medien - Frauen vergewaltigt und ermordet. Die Mordserie hatte die Bewohner damals in Angst und Schrecken versetzt. Als er schließlich eine 17-Jährige für über 24 Stunden in seine Gewalt brachte, die sich aus Taktik nicht gegen ihn wehrte und ihm eine erfundene Geschichte über ihren angeblich kranken Vater erzählte, ließ Long dieses seiner Opfer frei - in dem Wissen, dass dies die Polizei auf seine Spur bringen würde. In der Tat half das überlebende Opfer, Bobby Joe Long zu fassen und zu verurteilen, und befand sich nun 35 Jahre später unter den Zeugen seiner Hinrichtung. Eine Tochter des Täters wiederum durfte Long nicht auf seinem letzten Weg begleiten und befand sich stattdessen in Sichtweite des Gefängnisses bei demonstrierenden Todesstrafengegnern, weil in Florida Angehörige der Täterseite nicht als Zeugen zugelassen sind. Die Tochter hatte vergeblich darum gekämpft, die Exekution ihres Vaters zu verhindern. Die Gerichte, so ihr Vorwurf, hätten die schweren Hirnverletzungen, die ihr Vater aufgrund eines Motorradunfalls erlitten hatte und die für seine Enthemmungen und Sexsucht ursächlich gewesen sein können, in ihrer Urteilsfindung nicht berücksichtigt. Die Unfallfolgen dürften eine psychische Störung, die auf das Verhältnis zu seiner Mutter zurückging, intensiviert haben.

17.05.2019

Zehn Todesurteile in Vietnam

 

In Vietnam sind zehn Menschen wegen Drogenschmuggels zum Tod verurteilt worden. Die Bande hatte nach Überzeugung des Gerichts zwischen 2015 und 2016 rund 300 Kilogramm Drogen aus dem Norden des Landes mit dem Zug nach Ho Chi Minh Stadt in den Süden gebracht, wie Staatsmedien am Freitag berichteten. Ho Chi Minh Stadt gilt als Drogen-Drehkreuz in der Region.

Donnie Edward Johnson
Donnie Edward Johnson

17.05.2019

Tennessee: Donnie Johnson hingerichtet

 

Im US-Bundesstaat Tennessee wurde am Donnerstagabend der 68-jährige Donnie Edward Johnson mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er vor 35 Jahren seine Frau getötet hatte. Am Tag vor der Exekution veröffentlichten seine Anwälte ein Statement ihres Mandanten, das an seinen Sohn, seine Stieftochter und weitere Verwandte seiner Frau gerichtet war. "Es tut mir aufrichtig leid, und wenn ich etwas wüsste, womit ich euern Schmerz lindern könnte, würde ich es sehr gerne tun", schrieb Johnson. Seine Stieftochter erklärte öffentlich, sie habe ihm den Mord an ihrer Mutter vergeben, und setzte sich für seine Begnadigung ein, während andere Familienangehörige den Gouverneur dazu aufforderten, das Todesurteil vollstrecken zu lassen. Johnson verzichtete auf die ihm zustehende letzte Mahlzeit im Wert von 20 Dollar und wünschte, dass man dafür eine vegetarische Pizza für einen Obdachlosen kaufen solle. Der Antrag wurde abgelehnt. Daraufhin bat Donnie Johnson seine Unterstützer, jeweils einem Obdachlosen eine Mahlzeit zu finanzieren.

Michael Brandon Samra
Michael Brandon Samra

17.05.2019

Alabama: Michael Samra hingerichtet

 

Im US-Bundesstaat Alabama wurde am Donnerstagabend der 42-jährige Michael Brandon Samra mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er hatte im Alter von 19 Jahren zusammen mit einem 16-jährigen Komplizen dessen Vater und seine Freundin sowie deren zwei kleine Töchter im Alter von sechs und sieben Jahren getötet. Samra wurde für seine Rolle in dem vierfachen Mord zum Tod verurteilt. Seine letzten Worte waren ein Gebet: "Ich möchte Jesus für alles danken, was er für mich getan hat. Ich danke Jesus dafür, dass er sein Blut für meine Sünden vergossen hat. Danke für deine Gnade, Jesus! Amen." Der Komplize hatte ursprünglich als Kopf der Tat ebenfalls die Todesstrafe erhalten. Sein Motiv war sein Ärger darüber gewesen, dass sein Vater ihn das Auto, einen Pickup-Truck, nicht benutzen ließ. Als die USA 2005 die Todesstrafe für zur Tatzeit Minderjährige abschaffte, wurde die Todesstrafe des zur Zeit des Mordes 16-Jährigen in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt.

13.05.2019

Somalia: Erstmals Todesurteile aufgrund von DNA-Beweisen

 

Im afrikanischen Somalia sind zum ersten Mal drei des Mordes schuldig gesprochene Männer auf der Grundlage von DNA-Tests zum Tod verurteilt worden. Das Urteil gegen die drei Männer wurden am Sonntag "wegen Entführung, Vergewaltigung und Mordes" gesprochen. Anfang 2017 hatten sie nach Überzeugung des Gerichts eine Zwölfjährige verschleppt, vergewaltigt und zu Tode gefoltert, bevor sie den Eltern des Mädchens den Leichnam vor die Tür gelegt hatten. Der Fall hatte ein Schlaglicht auf die weit verbreitete Straflosigkeit in Somalia geworfen; durch zwei Jahrzehnte Gewalt und Bürgerkrieg hat ein Großteil der Bevölkerung des ostafrikanischen Landes keinen Zugang zur Justiz. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden 37 DNA-Proben von Verdächtigen genommen und in dem Labor in der halbautonomen Region Puntland gelagert. Da das Labor derzeit keine Analysen vornehmen kann, wurden die Proben zur Auswertung nach Kenia geschickt. Daraufhin konnten die drei Verdächtigen überführt werden. Die Todesstrafe wird in Somalia durch Erschießen vollstreckt.

09.05.2019

Gambia: Umwandlung von 22 Todesurteilen

 

Der Präsident des afrikanischen Staates Gambia hat 22 Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt. Adama Barrow geht damit einen Schritt weiter auf dem Weg Gambias zur Abschaffung der Todesstrafe. Im Februar 2018 hatte der Präsident ein offizielles Hinrichtungsmoratorium erklärt. Im darauffolgenden September ratifizierte Gambia das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte zur Abschaffung der Todesstrafe. Das westafrikanische Gambia wurde damit der 86. Vertragsstaat dieses völkerrechtlichen Abkommens. Todesurteile wurden in dem Land selten ausgesprochen. Der Vollzug erfolgte durch den Strang oder ein Erschießungskommando.

08.05.2019

Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen

 

Die zum Tod verurteilte und später freigesprochene Christin Asia Bibi hat Pakistan nach Regierungsangaben verlassen: Das pakistanische Außenministerium sagte, dass sich die circa 48-Jährige nicht mehr im Land befinde. Bibis Anwalt zufolge befindet sich die Katholikin jetzt in Kanada. Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ihr war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Ein Gericht hatte sie 2010 zum Tod verurteilt. Ihr Fall löste weltweit Empörung aus. In einem bahnbrechenden Urteil hob das Oberste Gericht Pakistans 2018 das Blasphemie-Todesurteil gegen Bibi auf und ordnete zudem ihre sofortige Freilassung an. In Pakistan führte der Freispruch zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Kräfte, die das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzten, weshalb sich die Ausreise Bibis verzögerte. Demonstranten riefen dazu auf, die verantwortlichen Richter und die Christin zu lynchen und die Regierung zu stürzen. Bereits ein Jahr nach Verkündung des Todesurteils war der Gouverneur der Provinz Punjab von seinem eigenen Bodyguard ermordet worden, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte. Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen, auf das die Todesstrafe steht. In der Praxis werden unter Blasphemie nur verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden.

05.05.2019

Brunei will Todesstrafe für Homosexuelle nicht vollstrecken

 

Nach internationalen Protesten gegen die Einführung eines verschärften Scharia-Strafrechts stellte Sultan Hassanal Bolkiah klar, dass die Todesstrafe nach neuem Recht - wie etwa die Steinigung für gleichgeschlechtlichen Sex oder Ehebruch - nicht vollstreckt werden soll. In seinem Land werde das seit zwei Jahrzehnten geltende Moratorium für die Todesstrafe nun auch auf Todesurteile auf Grundlage der Scharia angewandt. Er sei sich bewusst, dass es "viele Fragen und Missverständnisse hinsichtlich der Umsetzung" des Rechts gebe, erklärte der Sultan. Er versicherte, die Scharia sehe "ein breiteres Spektrum an Vergebung" vor. Zugleich kündigte er an, Brunei werde die UN-Konvention gegen Folter ratifizieren, die das Land bereits vor einigen Jahren unterzeichnet hat. Das verschärfte Strafrecht auf Grundlage der Scharia war Anfang April in dem Sultanat auf der Insel Borneo in Kraft getreten. Die neuen Gesetze sehen auch die Amputation einer Hand bei Dieben vor. Bei Wiederholungstaten soll ihnen zusätzlich ein Bein abgenommen werden. Vergewaltigung und Raub sind mit dem Tod zu bestrafen, ebenso wie Gotteslästerung. Homosexuellen Männern droht die Todesstrafe durch Steinigung. Frauen, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, müssen mit 40 Stockhieben oder zehn Jahren Gefängnis rechnen. Die Vereinten Nationen und die Europäische Union hatten solche Strafen als grausam und unmenschlich kritisiert. Prominente wie der britische Sänger Elton John und der US-Schauspieler George Clooney forderten den Boykott der neun Luxushotels, die das Sultanat in Großbritannien, Frankreich, Italien und den USA besitzt.

Scotty Morrow
Scotty Morrow

03.05.2019

Georgia: Scotty Morrow hingerichtet

 

Am Donnerstagabend wurde der 52-jährige Scotty Garnell Morrow durch den US-Bundesstaat Georgia mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er im Dezember 1994 seine Ex-Freundin vor den Augen ihres Sohnes erschossen hatte sowie eine Freundin derselben. Eine weitere Frau wurde verwundet, aber überlebte. Morrows Ex-Freundin hatte sich nach sechs Monaten Beziehung von ihm getrennt, weil er gewalttätig geworden war. Am Tag der Morde war Morrow zu ihr gefahren, um sie zurückzugewinnen, doch es kam zum Streit. "Es war ein Verbrechen aus Leidenschaft. Ich habe die Kontrolle über meine Gefühle verloren", sagte Morrow über die Tat. "Ich möchte nicht sterben, aber ich habe meinen Frieden gefunden. Wenn es Gottes Wille ist, wird es durchgeführt." Morrows Anwälte argumentierten vergeblich, dass ihr Mandant als Kind geschlagen und vergewaltigt wurde und dass der Missbrauch dazu geführt habe, dass er seine Gefühle nicht richtig entwickeln und ausdrücken konnte. Sie beschrieben ihn darüber hinaus als rehabilitiert und als Mustergefangenen in der Todeszelle, als Mentor für andere Gefangene und als Hilfe für Wachen. Sie sagten weiter, dass er große Reue für den Schmerz und den Verlust empfinde, den er den Familien seiner Opfer verschuldet hat, was Morrow in seinen letzten Worten bestätigte: "I would like to give my deepest and sincerest apology to the Woods family and to the Young family. I hope that you all recover and have healing."

03.05.2019

Hinrichtung von Jugendlichen im Iran und in Saudi-Arabien

 

Im Iran sind nach Angaben des UN-Menschenrechtsbüros zwei 17-Jährige ohne fairen Prozess hingerichtet worden. "Ich bin entsetzt", sagte die UN-Menschenrechtschefin Michelle Bachelet am Freitag. Den Jugendlichen wurden Raub und Vergewaltigung vorgeworfen. Einer der beiden habe eine Sonderschule besucht, aber die Gerichte hätten seinen geistigen Zustand nicht geprüft, sagte eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros. Mehdi Sohrabifar und Amin Sedaghat, die im Alter von 15 Jahren festgenommen worden waren, hätten über Misshandlung in Polizeigewahrsam berichtet und erklärt, sie seien zu falschen Geständnissen genötigt worden, sagte die Sprecherin. Weder ihre Anwälte noch ihre Eltern seien vorab über die Hinrichtung am 25. April in Shiraz informiert worden. Minderjährige hinzurichten verstoße gegen Menschenrechte und die UN-Konvention zu Kinderrechten, die der Iran unterzeichnet habe, sagte Bachelet. Das Kinderhilfswerk Unicef berichtete zugleich, in Saudi-Arabien seien ebenfalls drei Minderjährige hingerichtet worden. Das Urteil sei am 23. April vollstreckt worden. "Das ist ein klarer Verstoß gegen Kinderrechte", erklärte Unicef am Freitag. Weitere Einzelheiten nannte die Organisation zu den drei Fällen nicht.

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: April 2019