Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

16.11.2017

Ohio: Hinrichtung von Alva Campbell abgebrochen

 

Im US-Bundesstaat Ohio ist die Hinrichtung eines Mannes nach fast zwei Stunden abgebrochen worden, nachdem die Mitarbeiter des Gefängnisses bei dem 69-Jährigen keine geeignete Vene für die Giftspritze finden konnten. Er sei zweimal in den linken und zweimal in den rechten Arm gestochen worden sowie einmal ins rechte Bein. Alva Campbell ist für den Mord an einem 18-Jährigen im Jahr 1997 zum Tod verurteilt worden. In der vergangenen Woche lehnte Ohios Gouverneur John Kasich ein Gnadengesuch des Mannes ab. Seine Anwälte hatten argumentiert, dass er zu krank sei, um während der Hinrichtung flach auf dem Tisch zu liegen, ohne dabei zu keuchen. Ihren Angaben zufolge musste bei dem 69-Jährigen der Großteil des rechten Lungenflügels entfernt werden. Campbell hatte im Rollstuhl in den Hinrichtungsraum gebracht werden müssen - und hatte ein Atemhilfegerät dabei. Nach Angaben seiner Anwälte leidet der Mann an schwerem Lungenversagen und ist täglich auf Hilfe beim Atmen angewiesen. Außerdem habe er ein Lungenemphysem. Campbells Exekution wurde auf Juni 2019 verschoben.

15.11.2017

Nordkoreanische Zeitung: Trump verdient Todesurteil

 

Wegen seiner Kritik an Machthaber Kim Jong Un verdient US-Präsident Donald Trump nach Ansicht einer nordkoreanischen Zeitung die Todesstrafe. Nordkorea hat seine Verbalattacken gegen Donald Trump fortgesetzt. Unter Anspielung auf die Kritik Trumps an der nordkoreanischen Führung kommentierte die offizielle Zeitung "Rodong Sinmun" am Mittwoch, dass Trump das Todesurteil verdiene. Das Blatt, das Trump als "alten Sklaven des Geldes" bezeichnete, warf ihm vor, die Würde der obersten Führung von Machthaber Kim Jong Un verletzt zu haben. "Er sollte wissen, dass er ein scheußlicher Verbrecher ist, der von den Koreanern zum Tod verurteilt wurde." In den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen in der Region deutlich verschärft, nachdem Nordkorea mehrfach Raketen getestet und damit gegen UN-Resolutionen verstoßen hatte.

 

Weitere Informationen:

Nordkorea-Experte im Interview: "Flüchtlingen droht Lagerhaft oder die Todesstrafe"

Ruben R. Cardenas
Ruben R. Cardenas

09.11.2017

Texas: Ruben Ramirez Cardenas hingerichtet

 

Mit etwa vierstündiger Verspätung wegen einer Last-Minute-Eingabe beim Supreme Court der Vereinigten Staaten wurde am späten Mittwochabend im US-Bundesstaat Texas der 47-jährige Mexikaner Ruben Ramirez Cardenas mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er wurde zum Tod verurteilt, weil er 1997 seine 16-jährige Cousine vergewaltigt und ermordet haben soll. Cardenas verzichtete auf letzte Worte, bevor ihm die tödliche Dosis Pentobarbital verabreicht wurde. In einem handgeschriebenen Statement, das nach seiner Hinrichtung verlesen wurde, erklärte er, er könne und werde nicht um Verzeihung bitten für etwas, das er nicht getan habe. Cardenas hatte lediglich eingeräumt, unter Kokain-Einfluss mit dem Teenager Sex gehabt zu haben. Der Präsident Mexikos und die Vereinten Nationen kritisierten die Exekution als einen Verstoß gegen internationales Recht, da Cardenas das Recht auf konsularischen Beistand nicht eingeräumt wurde, wie es die Wiener Konvention fordert.

Patrick C. Hannon
Patrick C. Hannon

08.11.2018

Florida: Patrick Hannon hingerichtet

 

Mit rund zwei Stunden Verspätung wegen einer letzten Eingabe beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten wurde am Mittwochabend im US-Bundesstaat Florida der 53-jährige Patrick Charles Hannon mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war gemeinsam mit zwei Komplizen für den gewaltsamen Tod zweier Männer im Jahr 1991 verantwortlich. Während Hannon konkret für die Ermordung der beiden Opfer zum Tod verurteilt wurde, die er erstochen bzw. erschossen haben soll, wurde der eine seiner Komplizen zu lebenslanger Haft und der andere - weil er gegen seine Mittäter ausgesagt hatte - zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. In seinem letzten Statement erklärte Hannon, es tue ihm leid, was passiert sei. Er sei vor Ort gewesen, habe aber niemanden getötet. Eine Opferangehörige reagierte mit "Bullshit!" und "Fuck you!" auf die letzten Worte Hannons. Es war die dritte Hinrichtung in Florida mit der Verwendung der Chemikalien Etomidat, Rocuroniumbromid und Kaliumacetat.

07.11.2017

Todesstrafe für Japans "Schwarze Witwe", Dreifachmörderin

 

In Japan ist eine 70-jährige Frau wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt worden. Das Gericht in Kyoto sprach Chisako Kakehi am Dienstag schuldig, drei Männer, darunter ihren Ehemann, ermordet zu haben. Der einstigen Millionärin wird zudem ein Mordversuch zur Last gelegt. Der Prozess hat in Japan großes Aufsehen erregt. In Anlehnung an die Spinne, die nach der Paarung ihren männlichen Partner auffrisst, wird Kakehi in japanischen Medien als "Schwarze Witwe" bezeichnet. Der Anklage zufolge tötete Kakehi ihre Opfer, um an deren Vermögen zu kommen. Einige ihrer Lebenspartner lernte sie über ein Datingportal kennen, bei dem sie gezielt nach wohlhabenden und kinderlosen Männern suchte. Bevor sie die Männer mit dem Gift Zyanid tötete, ließ sie sich deren Lebensversicherungen überschreiben. Auf diese Weise soll sie über zehn Jahre umgerechnet 7,7 Millionen Euro kassiert haben.

06.11.2017

Alabama: Kranker Häftling für Hinrichtung vorgesehen

 

Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat die Hinrichtung eines geistig und gesundheitlich angeschlagenen Häftlings für zulässig erklärt. Es komme nicht darauf an, ob der 67-jährige Vernon Madison sich nach Schlaganfällen und fortschreitender Demenz noch daran erinnern könne, dass er 1985 einen Polizisten ermordet habe, urteilten die höchsten Richter. Staatsgerichte in Alabama hatten Todesurteil und Hinrichtung bestätigt, das 11. Berufungsgericht hatte dagegen im Mai entschieden, dass Madison infolge von Schlaganfällen unzurechnungsfähig sei, seine Strafe nicht verstehe und sich nicht mehr daran erinnere, was er getan habe. Die US-Verfassungsrichter befanden nun, dass ein Gesetz aus dem Jahr 1996 die Rechtsprechung des Bundes in diesem Fall einschränke. Die Vorschrift soll das Anrufen von Bundesgerichten in Fällen einschränken, in dem die Landesgerichte bereits entschieden haben. Das Oberste Gericht bestätigte nun ausdrücklich, dass Urteile von Staatsgerichten respektiert werden müssten. Das US-Berufungsgericht hatte Madisons Hinrichtung sieben Stunden vor der geplanten tödlichen Injektion blockiert. Das US-Verfassungsgericht hatte den Hinrichtungsstopp zunächst bestätigt. Der Justizminister von Alabama sagte nach dessen Entscheidung, er werde sich nun um einen neuen Hinrichtungstermin bemühen.

04.11.2017

Ägypten: Britin droht Todesstrafe wegen Schmerzmitteln

 

Die Britin Laura Plummer wollte in Ägypten nur ihren Mann Omar besuchen und mit ihm zwei Wochen lang am Roten Meer entspannen. Das Paar lernte sich vor vier Jahren kennen. Seitdem reist die 33-Jährige bis zu viermal im Jahr in die Heimat ihres Mannes. Als sie am 9. Oktober erneut nach Ägypten geflogen ist, hatte Plummer Schmerzmittel im Gepäck: 290 Tramadol-Tabletten und etwas Naproxen. Nach Darstellung der Familie der jungen Frau aus Hull waren die Tabletten für ihren Mann bestimmt, der seit einem Unfall vor zwei Jahren an Rückenschmerzen leidet. Was Plummer aber offenbar nicht wusste: Tramadol ist in Ägypten verboten, weil das Medikament auch als Heroinsubstitut verwendet werden kann. Als die ägyptischen Behörden die Schmerztabletten entdeckten, hielten sie die Britin fest. Schließlich habe man ihrer Tochter ein 38-seitiges Dokument auf Arabisch vor die Nase gehalten, erzählt ihre Mutter. Im Glauben, es diene ihrer Freilassung, habe ihre Tochter es unterschrieben. Doch stattdessen wurde Plummer in ein ägyptisches Gefängnis gebracht. Dort teile sie sich nun fast schon einen ganzen Monat lang eine 25-Quadratmeter-Zelle mit 25 anderen Frauen. Ob sie Ägypten je wieder verlassen wird, ist unklar. Laut Anwälten drohen der Britin bis zu 25 Jahre Haft oder sogar die Todesstrafe.

 

Weitere Informationen:

In Ägypten inhaftierte Laura Plummer: Vater fürchtet, dass sie nicht bis zum Prozess überlebt

 

02.11.2017

US-Präsident Trump fordert Todesstrafe für New-York-Attentäter

 

Donald Trump hat die Todesstrafe für den Mann gefordert, der am Dienstag in New York bei einem Terrorangriff mit einem Pick-up acht Menschen getötet hat. Bei dem Attentäter handelt es sich um den 29-jährigen Sayfullo Saipov, der aus Usbekistan stammt und mit einer ihm zugelosten Green Card in die USA eingereist war. Er war kurz nach der Tat von der Polizei angeschossen worden und wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Die US-Bundesanwaltschaft hat den Mann wegen Terrorismus angeklagt. Saipov sei absichtlich über einen Radweg gerast, heißt es in der Anklageschrift. Ermittler hätten ein Mobiltelefon mit Propaganda der Terrormiliz "Islamischer Staat" sichergestellt. In seinen ersten Vernehmungen im Krankenhaus habe Saipov keine Reue gezeigt, teilten Ermittler am Mittwoch mit. Vielmehr habe er gefordert, die Flagge der IS-Miliz in seinem Krankenhauszimmer aufhängen zu dürfen. "Er hat gesagt, dass er sich gut fühlt angesichts seiner Tat", hieß es in der Erklärung. Die Todesstrafe ist in dem US-Bundesstaat New York zwar seit 2004 für verfassungswidrig erklärt, aber eine Anklage nach Bundesrecht oder durch ein Militärgericht könnte dennoch die Todesstrafe nach sich ziehen. Trumps öffentliche Forderung der Todesstrafe spielt allerdings eher der Verteidigung Saipovs in die Hände, denn sie kann als unrechtmäßige Beeinflussung der Justiz gewertet werden.

 

Weitere Informationen:

Wie geht es nach dem Anschlag in New York weiter?

Todesstrafe im US-Bundesstaat New York

02.11.2017

Ohio: Todestraktinsasse darf in sitzender Position hingerichtet werden

 

Der 69-jährige Alva Campbell soll am 15. November per Giftinjektion für die Ermordung eines Jugendlichen im Jahr 1997 sterben. Üblicherweise liegt der Insasse auf eine Bahre geschnallt, wenn ihm der Giftcocktail verabreicht wird. Doch bei Campbell soll dies als Ausnahme anders gehandhabt werden, entschied nun der Arzt. Dr. James McWeeney wies darauf hin, dass es bei Campbells Gesundheitszustand angebracht wäre, seine Position während der Hinrichtung abweichend der normalen Position auszurichten. Alva Campbell leidet aufgrund jahrelangen starken Rauchens an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Seine Anwälte wiesen darauf hin, dass er an einem Rollator gehen würde, einen künstlichen Darmausgang und womöglich auch schon Lungenkrebs habe. Auch sei Campbell als Kind regelmäßig geschlagen, sexuell missbraucht und gequält worden. Sein Gnadengesuch wurde zu Beginn letzten Monats abgelehnt, nun kann nur noch Gouverneur John Kasich einschreiten.

01.11.2017

Hessen auf dem Weg zur Abschaffung der Todesstrafe

 

Wenn alles nach Plan läuft, war die 18. Sitzung der Enquetekommission zur Änderung der Verfassung am Montag dieser Woche die vorletzte ihrer Art. Noch einmal, am 27. November, soll der Verfassungskonvent zusammentreten, um einen Reformvorschlag zustandezubringen. Über ihn müssen der Landtag und schließlich das Wahlvolk – wahrscheinlich bei der Landtagswahl 2018 – abstimmen. Dass dann die Todesstrafe auch in Hessen offiziell abgeschafft werden wird, darf als sicher gelten. Natürlich durfte diese auch bisher nicht verhängt oder gar vollstreckt werden, da das Bundesrecht dies verbietet. Nach einer Reform der in vielen Teilen etwas angestaubten hessischen Verfassung aber wäre die Todesstrafe auch hierzulande endgültig passé.

 

Weitere Informationen:

Gott schafft es nicht in die hessiche Verfassung - keine Todesstrafe mehr

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: Oktober 2017