Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

17.09.2017

Todesurteile gegen Christen in Pakistan

 

Ein junger Christ wurde wegen Blasphemie von einem erstinstanzlichen Gericht in Gujrat (Punjab) zum Tod verurteilt. Gegen den 24-jährigen Nadeem James wurde Anklage erhoben, weil er im Juli 2016 über "WhatsApp" eine Nachricht mit blasphemischem Inhalt versendet haben soll. Yasir Bashir, ein Freund der Familie des jungen Christen hatte bei der Polizei Anzeige erstattet und wurde dabei von zwei muslimischen Imamen unterstützt. In den vergangenen Wochen wurde in dem Dorf Jam Kayk Chattha bei Wazirabad (Punjab) auch der 18-jährige Christ Asif Masih wegen Blasphemie festgenommen. Er soll Seiten aus dem Koran verbrannt haben. Nach seiner Festnahme forderten rund 200 aufgebrachte Männer vor der Polizeistation seine Hinrichtung. Wie die "Kommission für Menschenrechte in Pakistan" betont, warten rund 40 Angeklagte in pakistanischen Gefängnissen auf die Vollstreckung der Todesstrafe wegen Blasphemie, während seit 1990 insgesamt 71 Personen ohne Gerichtsurteil von extremistischen Gruppen oder Einzelpersonen ermordet wurden.

16.09.2017

16-jähriger Deutscher droht Todesstrafe im Irak

 

Der 16-jährigen Deutschen Linda W. droht im Irak die Todesstrafe. Irakische Soldaten hatten sie bei der Eroberung von Mossul angetroffen. Der irakische Ministerpräsident Haidar Al-Abadi sagte am Samstag, die Justiz seines Landes werde entscheiden, ob Linda W. mit der Todesstrafe rechnen muss. "Teenager sind bestimmten Gesetzen zufolge verantwortlich für ihre Taten, besonders, wenn diese Tat eine kriminelle Handlung ist, wenn es um die Tötung unschuldiger Menschen geht", sagte Al-Abadi in einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Linda W. befinde sich weiterhin in einem Gefängnis in Bagdad. Das Mädchen war im vergangenen Jahr von ihrem Elternhaus im ostdeutschen Pulsnitz davongelaufen, nachdem sie mit Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat kommuniziert hatte. Die irakischen Truppen hatten sie im Keller eines Hauses in der Altstadt von Mossul gefunden.

Gary Otte
Gary Otte

13.09.2017

Ohio: Gary Otte hingerichtet

 

Im US-Bundesstaat Ohio wurde am Mittwochvormittag der 45-jährige Gary Otte mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er hatte vor 25 Jahren bei Raubüberfällen zwei Menschen ermordet. In seinen letzten Worten gab er der Liebe zu seiner Familie Ausdruck, sang ein christliches Kirchenlied, erklärte, es tue ihm leid, und zitierte aus der Bibel. Ottes Anwälte hatten vergeblich damit argumentiert, dass ihr Mandant im Gefängnis reifer geworden sei und sich gebessert habe, sodass eine lebenslange Haftstrafe ausreichend wäre. Auch habe er im ursprünglichen Prozess eine mangelhafte Verteidigung gehabt und seine Drogenabhängigkeit und Depression seien nicht berücksichtigt worden. Otte wurde mit drei Chemikalien hingerichtet, darunter das umstrittene Midazolam. In Ohio sind bereits Hinrichtungstermine bis ins Jahr 2022 geplant.

08.09.2017

Guatemala erwägt Wiederaufnahme der Todesstrafe

 

Guatemalas Regierung ließ Ende August verlauten, derzeit werde geprüft, ob die Todesstrafe wieder ausgeführt werde. Diese ist seit dem Jahr 2000, als zwei zum Tod verurteilte Geiselnehmer durch eine Injektion getötet wurden, nicht mehr ausgeführt worden. Die Verfassung lässt die Anwendung der Todesstrafe jedoch zu. Wie ein Regierungssprecher mitteilte, erwäge die Regierung die Wiedereinführung der Todesstrafe, nachdem Mitglieder krimineller Banden am 16. August in einem Krankenhaus sieben Personen erschossen und elf Personen verletzt hatten. Die extreme Gewalt, die das Land erlebe, sowie die Notwendigkeit, die Regierbarkeit des Landes und die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren, zwinge die Regierung, die Wiedereinführung der Todesstrafe zu evaluieren, um "Terrorakten" vorzubeugen.

07.09.2017

Indien: Todesurteile wegen Mumbai-Anschlägen von 1993

 

Ein indisches Gericht hat zwei Männer wegen der Bombenanschläge in Mumbai von 1993 zum Tod verurteilt. Zwei weitere müssen lebenslange Haftstrafen verbüßen. Das gab die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Mumbai bekannt. Am 12. März 1993 waren 257 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden, als in der Börse, in Hotels und auf Marktplätzen in Mumbai (früher Bombay) etwa ein Dutzend Sprengsätze explodierte. Der Gangsterboss Abu Salem, der für die Anschläge Waffen besorgt hatte, sei vor zwölf Jahren von Portugal unter der Bedingung ausgeliefert worden, dass er keine Todesstrafe bekomme, sagte der Staatsanwalt. Daher müsse er nun lebenslänglich ins Gefängnis. Ein weiterer Mittäter wurde zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Angeklagter war kurz vor der Urteilsverkündung im Juni gestorben. Vor Jahren wurden bereits 100 Verdächtige verurteilt. Ein Planer der Anschläge wurde hingerichtet. Die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Attacken sind bisher allerdings nicht gefasst worden.

05.09.2017

Mindestens 55 Hinrichtungen im Iran im August

 

Aus einem kürzlich von der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights Monitor veröffentlichten Bericht über die Menschenrechtssituation im Iran geht hervor, dass allein während des Monats August mindestens 55 Menschen exekutiert worden sein sollen. Vier der insgesamt 55 Hinrichtungen wurden dem Bericht zufolge in der Öffentlichkeit durchgeführt. Auch sollen zwei Massenhinrichtungen stattgefunden haben, bei denen es zu Gruppenhinrichtungen von sieben und elf Personen kam. Besonders große Bestürzung rief die Hinrichtung Alireza Tajikis am 10. August hervor, der zum Zeitpunkt seiner angeblichen Straftat noch minderjährig war. Sechs weitere der exekutierten Personen waren zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung unter 20 Jahren alt gewesen. Human Rights Monitor geht von weiteren Hinrichtungen aus, die im Geheimen durchgeführt wurden und demnach der Öffentlichkeit unbekannt bleiben. Der Iran zählt im weltweiten Vergleich zu den Ländern, die jährlich die meisten Todesurteile vollstrecken. Allein im vergangenen Jahr sollen mindestens 567 Personen exekutiert worden sein.

 

Weitere Informationen:

Iran: Unidentified Prisoner Hanged in Public

Iran: Man Charged With Rape Hanged in Rajai Shahr Prison

Iran: At Least Two Prisoners Hanged on Drug Charges

Iran: Three hanged on drug charges, one for 'waging war against God'

Iran: Sunni Political Prisoner Hanged at Gohardasht Prison

Iran: 2 more Prisoners Hanged on Drug Charges

Iran: Young Prisoner Hanged in Public

Iran: 3 Prisoners Hanged in Qom

Eight Prisoners Hanged in One Day in Iran's Rajai Shahr Prison

Iran: Four Prisoners Hanged, Authorities Silent

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