Welttag gegen die Todesstrafe * 10. Oktober 2019 * Kinder: Vergessene Opfer der Todesstrafe

Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

13.09.2019

Texas: Dem Todesschützen von El Paso droht die Todesstrafe

 

Der mutmaßliche Todesschütze von El Paso ist im US-Bundesstaat Texas wegen Mordes an 22 Menschen angeklagt worden. Im Falle einer Verurteilung droht dem 21-Jährigen die Todesstrafe, wie aus einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft hervorgeht. Der Texaner wird beschuldigt, Anfang August in einer Walmart-Filiale im texanischen El Paso an der Grenze zu Mexiko das Feuer eröffnet und 22 Menschen getötet zu haben. Ermittler behandeln die Bluttat als inländischen Terrorismus. Sie gehen davon aus, dass der Todesschütze bei seinem Angriff vor allem Mexikaner töten wollte. Unter den Toten war ein deutscher Staatsbürger. Der 21-jährige Verdächtige hatte sich nach dem Massaker in dem Einkaufszentrum schließlich der Polizei ergeben und sich als den Schützen bezeichnet. Das Gewaltverbrechen war nicht das einzige, das die Debatten über das Waffenrecht in den USA und dessen Reform erneut anfachte. Wenige Stunden nach dem Massaker richtete ein weiterer Schütze in Dayton (Ohio) ein Blutbad an. Ende August tötete dann ein vorbestrafter Schütze im texanischen Odessa sieben Menschen. Bemühungen um schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil die Republikaner von US-Präsident Donald Trump dagegen sind. Die oppositionellen Demokraten bekommen bei ihrem Ruf nach einer Verschärfung nun aber Unterstützung aus der Wirtschaft. 145 Konzernchefs riefen den US-Senat in einem von der "New York Times" veröffentlichten Brief dazu auf, einen vom Repräsentantenhaus bereits im Februar beschlossenen Gesetzesentwurf zu verabschieden. Damit sollen Privatverkäufe von Waffen, bei denen es keine Hintergrundprüfung des Käufers gibt, prinzipiell verboten werden.

Mark Anthony Soliz
Mark Anthony Soliz

10.09.2019

Texas: Mark Anthony Soliz hingerichtet

 

Am Dienstagabend wurde der 37-jährige Mark Anthony Soliz in Huntsville im US-Bundesstaat Texas durch eine tödliche Injektion, eine Überdosis Pentobarbital, hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er für schuldig befunden wurde, 2010 im Zuge einer achttägigen Verbrechensserie zusammen mit einem Komplizen eine 61-jährige Frau ermordet zu haben, während sie ihr Opfer in deren eigenem Haus ausraubten. Soliz' Anwälte führten vergeblich ins Feld, dass ihr Mandant an einem fetalen Alkoholsyndrom gelitten habe, einer psychischen Störung, die seine Exekution verbieten müsste. In seinen letzten Worten bat Soliz um Verzeihung für die Trauer und den Schmerz, den er verursacht habe. Er wisse nicht, ob sein Tod trösten werde. Er gehe im Frieden.

09.09.2019

Todesstrafe und Hinrichtungen zu Unterhaltungszwecken in der Schweiz!?

 

(gu) Wie in den Medien zu lesen ist, wurde in Altnau in der Schweiz die Todesstrafe wieder eingeführt. Und zwar habe der junge Schauspieler Noah Joel Huber am vergangenen Freitag seine neue Late-Night-Show-Reihe "Hair Hubers Enthauptungen" gestartet. Jeden ersten Freitag im Monat will er eine Person verhören, der die Guillotine droht. Vor vollem Saal mit motiviertem Publikum habe sich der erste Schauprozess vollzogen. Musikerin Deniz Cecik war wegen "Vermännlichung, Cannabiskonsum sowie der Äußerung linksliberaler Parolen" angeklagt und wurde am Ende statt zum Tod allerdings zu einem Konzert verurteilt. In einer Welt, in der tatsächlich jedes Jahr Tausende Menschen hingerichtet werden, kann es als geschmacklos bezeichnet werden, die Todesstrafe zur Unterhaltung zu missbrauchen und auf diese Weise zu verharmlosen. Hinrichtungen als Jahrmarktsattraktion wurden aus demselben Grund in der Vergangenheit in Europa immer wieder kritisiert und mehrfach verboten. Anders sieht es aus, wenn stattdessen eine politische Botschaft transportiert werden soll, wie bei einer Aktion in Sankt Gallen, wo junge Menschen sich auf einem Eisblock stehend und den Kopf in einer Schlinge am Galgen präsentierten, um auf das ernste Thema des Klimawandels aufmerksam zu machen. Wenn "Hair Huber" den Hintergrund seiner Show allerdings damit erklärt, dass der Altnauer Gemeinderat die Enthauptung wieder eingeführt habe, "da alte Dinge immer wieder in Mode kämen, so wie Plateauschuhe", dann ist das eine Ohrfeige ins Gesicht all derer, die von der Todesstrafe betroffen sind oder sich seit Jahren und Jahrzehnten für ihre weltweite Abschaffung engagieren.

 

Weitere Informationen:

Tod am Galgen – St.Galler Klimaaktivisten provozieren mit Pseudo-Hinrichtung

07.09.2019

Iran: Mindestens 38 Hinrichtungen allein im August


Laut dem iranischen Menschenrechtsstatistikamt wurden im August 2019 im Iran mindestens 38 Menschen hingerichtet, darunter waren zwei öffentliche Hinrichtungen. Die meisten der Hingerichteten (30) waren wegen Mordes verurteilt. Sechs weitere wurden wegen drogenbedingter Anschuldigungen hingerichtet und zwei wegen Moharebeh (Krieg gegen Gott). Die Anzahl der Hinrichtungen im August 2019 zeigt einen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im August 2018 wurden im Iran mindestens 20 Menschen hingerichtet. Seit Jahresbeginn wurden im Iran mindestens 185 Personen hingerichtet. Diese Zahl zeigt auch einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem 165 Hinrichtungen verzeichnet wurden. Der Iran vollstreckt nach China die meisten Todesurteile weltweit.

 

Weitere Informationen:

Iran: Two Afghan Nationals Hanged in Bandar Abbas, Man Hanged in Borujerd

Billy Crutsinger
Billy Crutsinger

04.09.2019

Texas: Billy Jack Crutsinger hingerichtet

 

Am Donnerstagabend wurde der 64-jährige Billy Jack Crutsinger in Huntsville im US-Bundesstaat Texas mit einer tödlichen Injektion, einer Überdosis Pentobarbital, hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er für schuldig befunden wurde, 2003 eine 89-jährige Frau und deren 71-jährige Tochter erstochen zu haben. Er hatte den beiden Frauen angeboten, ein paar Arbeiten für sie zu erledigen. Als er realisierte, dass sie nicht genug Arbeit für ihn hatten, um ihm genügend Geld einzubringen, soll er in einen Alkoholrausch verfallen sein und seine Opfer mit jeweils mehreren Messerstichen getötet haben, bevor er Auto und Kreditkarte stahl. Wie Crutsingers Anwältin erklärte, war die Verteidigung ihres Mandanten im ursprünglichen Prozess mangelhaft, weil weder sein Alkoholismus noch sein Hintergrund, der durch häusliche Gewalt und Missbrauch gekennzeichnet war, vor den Geschworenen Erwähnung fanden. In seinen letzten Worten dankte er drei Freunden, die für ihn als Zeugen der Hinrichtung beiwohnten. Das System sei nicht völlig in Ordnung, aber er gehe im Frieden zu Jesus und seiner Familie. Opferangehörige waren nicht anwesend während der Exekution.

03.09.2019

Asia Bibi spricht zum ersten Mal seit ihrer Freilassung mit den Medien

 

Asia Bibi, eine pakistanische Christin, die im vergangenen Jahr vom Obersten Gerichtshof des Landes vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen wurde, nachdem sie acht Jahre in der Todeszelle verbracht hatte, hat ihre Dankbarkeit gegenüber dem Obersten Gerichtshof und den internationalen Kräften zum Ausdruck gebracht, die ihr geholfen haben, die Freiheit zu erlangen. In ihrem ersten Print-Interview fast vier Monate nach ihrer Entlassung sagte Bibi, dass sie manchmal in Verzweiflung geraten sei, als sie wegen einer erfundenen Anklage der Blasphemie in einer Todeszelle saß. "Mein ganzes Leben hat gelitten, meine Kinder haben gelitten, und das hatte einen großen Einfluss auf mein Leben." Während sie ihre Erleichterung über ihren Freispruch und die damit verbundene Freiheit zum Ausdruck brachte, sagte Bibi, dass es in Pakistan viele andere gebe, die ebenfalls faire Prozesse brauchen. Nach ihrem Freispruch verließ Bibi Pakistan und wurde von Kanada aufgenommen. Aber es wird erwartet, dass sie und ihre Familie später in ein europäisches Land ziehen.

03.09.2019

Hunderttausende für die Todesstrafe in Südafrika

 

Eine Internet-Petition für eine Wiedereinführung der Todesstrafe für Verbrechen an Frauen in Südafrika hat innerhalb weniger Stunden Hunderttausende Unterstützer gefunden. Rund 445.000 Mal wurde das Begehren bis zum späten Dienstagnachmittag unterzeichnet. Dort heißt es, sexueller Missbrauch und Mord an Frauen und Kindern sei "unkontrollierbar und grausam", Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen gebe es kaum. Die Petition wurde am Montag veröffentlicht, nachdem am Wochenende eine 19-jährige Studentin der Universität Kapstadt vergewaltigt und getötet worden war. Zuvor hatten weitere Fälle von Frauenmorden für Empörung gesorgt. Präsident Cyril Ramaphosa bezeichnete die Morde in einer Mitteilung als "Fleck auf unserem nationalen Gewissen". Südafrika hat die Todesstrafe im Jahr 1995 abgeschafft. Nach der letzten verfügbaren Polizeistatistik wurden in Südafrika in nur einem Jahr 20.336 Menschen umgebracht - im Schnitt 57 Morde pro Tag.

 

Weitere Informationen:

Nelson Mandelas Enkelin: Frauen müssen ihren Freiraum erkämpfen

South Africa: Minister crushes death penalty prospects, 580.000 signatures support it

03.09.2019

Vietnam: Ehemaligen Ministern droht die Todesstrafe

 

Wegen der Annahme von Bestechungsgeld bei einem Millionen-Geschäft um einen Pay-TV-Sender droht zwei ehemaligen kommunistischen Ministern in Vietnam längere Haft oder sogar die Todesstrafe. Gegen die Ex-Informationsminister Nguyen Bac Son und Truong Minh Tuan wurde Anklage wegen Korruption erhoben. Den Männern wird zur Last gelegt, bei einem inzwischen gescheiterten Geschäft um den Bezahl-Fernsehsender AVG Schmiergeld kassiert zu haben. Die Ex-Funktionäre legten Medienberichten zufolge ein Geständnis ab. Son, der zwischen 2011 und 2016 Minister war, gab zu, vor der geplanten Übernahme des Senders durch einen Mobilfunkkonzern umgerechnet etwa 2,7 Millionen Euro angenommen zu haben. Sein ehemaliger Stellvertreter und späterer Nachfolger Tuan erhielt nach eigenen Angaben umgerechnet etwa 180.000 Euro. Dem vietnamesischen Staat sollen etwa 300 Millionen Euro Schaden entstanden sein. Die beiden Ex-Minister sitzen seit ihrer Verhaftung im Gefängnis. Einen Termin für den Beginn des Prozesses gibt es noch nicht.

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: August 2019