Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

09.11.2018

Asia Bibi endlich frei und an geheimem Ort in Sicherheit?

 

Die pakistanische Christin Asia Bibi, deren Todesurteil wegen Blasphemie in der Vorwoche aufgehoben wurde, ist angeblich frei. Sie sei an einen geheimen Ort gebracht worden, wo sie auch ihren Ehemann Asiq Masih wiedergetroffen habe, berichtete das Webportal Vatican News. Entsprechenden Angaben zufolge hat die Christin am Mittwochabend ihre Zelle im Frauengefängnis der Stadt Multan verlassen habe und ist gegen 22.00 Uhr per Flugzeug in die Hauptstadt Islamabad geflogen. Das alles habe unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. Die pakistanische Regierung jedoch dementierte am Donnerstag, dass Bibi das Land verlassen habe: Außenministeriums-Sprecher Mohamed Faisal erklärte, Bibi sei "eine freie Bürgerin", werde das Land jedoch erst dann verlassen, wenn das Höchstgericht die Berufung gegen ihre Freilassung zurückweise. Mit dieser Erklärung sollten laut Vatican Insider jene radikalen Gruppen gebremst werden, die erneut zu Demonstrationen gegen die Freilassung der Christin aufgerufen hatte. Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte am Dienstag über das Hilfswerk "Kirche in Not" Italiens Regierung um Hilfe für eine Ausreise aus Pakistan und um Asyl gebeten. Italiens Regierung erklärte, die Christin aufnehmen zu wollen, und auch der italienische Parlamentsausschuss für auswärtige Angelegenheiten beschloss am Donnerstag einstimmig eine Resolution zum Schutz Bibis.

 

Weitere Informationen:

Pakistan dementiert Flucht von Asia Bibi

Großbritannien lässt seine Maske fallen: Kein Asyl für verfolgte Christin aus Pakistan

 

08.11.2018

Amnesty befürchtet baldige Vollstreckung von 12 Schiiten in Saudi-Arabien

 

Zwölf im mehrheitlich sunnitischen Saudi-Arabien wegen Spionage verurteilte Schiiten stehen nach Angaben von Amnesty International offenbar unmittelbar vor ihrer Hinrichtung. Die Akten der 2016 zum Tod verurteilten Männer seien an die Staatssicherheitsbehörde übermittelt worden, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Angesichts der Heimlichtuerei, die juristische Verfahren in Saudi-Arabien umgebe, fürchte Amnesty, dass dies ihre unmittelbar bevorstehende Exekution bedeute. Die Männer waren 2016 in einem Massenverfahren wegen Spionage für den schiitischen Iran verurteilt worden, den Erzrivalen Riads in der Region. Schiiten machen etwa zehn bis 15 Prozent der saudi-arabischen Bevölkerung aus. In Saudi-Arabien gilt eine besonders strenge Auslegung des islamischen Rechts der Scharia. Auf Mord, Vergewaltigung, Raub, Abfall vom muslimischen Glauben und Drogenhandel steht die Todesstrafe.

 

Urgent Action von Amnesty International:

Zwölf Männern droht unmittelbar die Hinrichtung

06.11.2018

Israel treibt Todesstrafe für palästinensische Terroristen voran

 

Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman treibt ein umstrittenes Gesetz voran, das die Verurteilung von palästinensischen "Terroristen" zum Tod erleichtern soll. Nach einem drei Jahre langen "hartnäckigen Kampf" werde der Gesetzentwurf in der nächsten Woche im Rechtsausschuss eingebracht und dann der Knesset zur ersten Lesung vorgelegt. Das Gesetz hatte im israelischen Parlament bereits im Januar eine Abstimmung durchlaufen. Es lockert die Anforderungen für Militärgerichte im besetzten Westjordanland, gegen Palästinenser wegen "terroristischer" Verbrechen die Todesstrafe zu verhängen. Bisher muss es dazu Einstimmigkeit unter den drei Richtern geben. Gemäß dem neuen Gesetz soll künftig eine Mehrheit reichen. Allerdings kündigte Energieminister Jural Steinitz Vorbehalte an. Er werde das Gesetz nicht ohne eine "ernsthafte Debatte und Entscheidung innerhalb der Regierung und des Sicherheitskabinetts" unterstützen. Die Streitkräfte wie auch der Inlandsgeheimdienst und andere Sicherheitskräfte seien der Auffassung, dass die Todesstrafe im Kampf gegen Terror nicht helfe. In Israel kann die Todesstrafe nur bei Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verrat und Verbrechen gegen das jüdische Volk verhängt werden. Letztmalig wurde die Todesstrafe 1962 in Israel vollstreckt, als der Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann gehängt wurde.

06.11.2018

Tennessee: Vier Häftlinge fordern Exekution per Erschießungskommando

 

Vier Todeskandidaten im US-Bundesstaat Tennessee haben um eine Hinrichtung durch ein Erschießungskommando statt durch die Giftspritze gebeten. Einen entsprechenden Antrag reichten sie ein, nachdem der verurteilte Mörder Edmund Zagorski vergangene Woche auf dessen Wunsch hin durch den elektrischen Stuhl exekutiert worden war. Zagorski hatte argumentiert, dass diese Methode humaner als eine Giftinjektion sei und einen schnelleren Tod herbeiführe. Es war das erste Mal seit 2007, dass ein Todesurteil in Tennessee durch den elektrischen Stuhl vollstreckt wurde. Zu den Antragstellern, die ein Erschießungskommando fordern, gehört David Earl Miller, der am 6. Dezember hingerichtet werden soll. Er wurde 1981 wegen Vergewaltigung und Ermordung einer 23-Jährigen zum Tod verurteilt. Keiner sitzt derzeit in Tennessee länger in der Todeszelle als Miller. Aktuell lassen drei US-Staaten – Mississippi, Oklahoma und Utah – Erschießungskommandos als Exekutionsmethode zu.

06.11.2018

Kalifornien: Zwei Todeskandidaten tot aufgefunden

 

Zwei Todeskandidaten sind in einem kalifornischen Gefängnis tot aufgefunden worden. Die Männer hätten sich offenbar das Leben genommen, teilten Strafvollzugsbeamte mit. Zunächst hatten Wärter am vergangenen Freitag den 54-jährigen Andrew Urdiales in der Haftanstalt San Quentin leblos vorgefunden. Am Sonntag fanden Beamte dann den 51-jährigen Virendra Govin tot in seiner Einzelzelle in einem anderen Trakt. Seit dem Jahr 2006 ist die Todesstrafe in dem Staat nicht vollstreckt worden.
Edmund Zagorski
Edmund Zagorski

02.11.2018

Tennessee: Edmund Zagorski auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet

 

Im US-Bundesstaat Tennessee wurde am Donnerstagabend der 63-jährige Edmund Zagorski auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt für die Ermordung zweier Männer im Jahr 1983, die er unter dem Versprechen ihnen Marihuana zu verkaufen in ein Waldgebiet gelockt hatte. Zagorski zog der heute in den USA allgemein üblichen Hinrichtungsmethode der Giftspritze den elektrischen Stuhl vor, da vor allem das in Tennessee vorgesehene Narkosemittel Midazolam im Rahmen der tödlichen Injektion höchst umstritten ist, inwieweit es eine schmerzfreie Tötung gewährleiten kann. Die letzte Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl war 2013 in Virginia durchgeführt worden, die letzte Elektrokution in Tennessee im Jahr 2007. Seine Anwältin war Zeugin der Hinrichtung und erklärte im Anschluss, sie habe den Eindruck gehabt, Zagorski hätte in der kurzen Pause zwischen den beiden Stromstößen von einmal 20 Sekunden und dann 15 Sekunden von jeweils 1750 Volt geatmet. Seine Hände waren ihr zufolge zu Fäusten geballt; die kleinen Finger schienen verrenkt oder gebrochen zu sein aufgrund der Wucht, mit der Zagorski sich gegen die ihn an den Stuhl fesselnden Gurte stemmte. Seine letzten Worte kurz zuvor waren gewesen: "Let's rock!"

01.11.2018

Pakistan: Todesurteil wegen Gotteslästerung der Christin Asia Bibi aufgehoben - Massenproteste durch radikalislamische Gruppen

 

Der Oberste Gerichtshof Pakistans hat das Todesurteil gegen die wegen Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi aufgehoben. Die Richter in Islamabad ordneten ihre sofortige Freilassung an. Die Staatsanwaltschaft habe die Schuld der Angeklagten nicht zweifelsfrei beweisen können, heißt es in dem Berufungsurteil. Damit folgte das Gericht den Ausführungen der Anwälte von Asia Bibi über widersprüchliche Zeugenaussagen. Asia Bibi war 2010 als erste Frau in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tod verurteilt worden. Sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben. Der Fall hatte international Aufsehen erregt. 2011 wurde der liberale Gouverneur von Pakistans größter Provinz Punjab erschossen, weil er Bibi verteidigt und die Blasphemiegesetze kritisiert hatte. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil. Im Juli 2015 wurde die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung angeordnet. Das erneute Berufungsverfahren wurde in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert. Laut pakistanischen Medien hatten islamistische Hardliner die Richter bedroht. Die Entscheidung des Gerichts, Bibi freizulassen, löste Proteste von Islamisten in mehreren Städten des Landes aus. Die Partei der islamischen Ideologie Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) soll all jene, die die Freilassung der Frau befürworten würden, für "des Todes würdig" erklärt haben.

 

Weitere Informationen:

Todesstrafe gegen Asia Bibi aufgehoben

Pakistans höchstes Gericht hebt Todesurteil gegen Christin auf

Massenproteste für Todesstrafe für Christin

Nach Blasphemie-Freispruch: Asia Bibi immer noch in Haft

Ehemann von Asia Bibi bittet um Asyl

Verfolgte Christin Asia Bibi: Islamisten machen weiter Druck

01.11.2018

Saudi-Arabien richtet Hausmädchen aus Indonesien hin

 

Am Montag ist das indonesische Hausmädchen Tuti Tursilawati in der saudi-arabischen Stadt Taif hingerichtet worden. Die Regierung in Indonesien reagiert scharf: Sie wirft dem Regime in Riad vor, das indonesische Außenministerium nicht vorab über die Exekution informiert zu haben. Das Hausmädchen hatte seinen Arbeitgeber getötet - nach ihren Angaben aus Notwehr, weil der der Mann versucht habe, sie zu vergewaltigen. Es ist bereits das vierte Mal binnen drei Jahren, dass Saudi-Arabien eine Gastarbeiterin aus Indonesien hinrichtet, ohne im Vorfeld die Regierung in Jakarta zu verständigen. Nach entsprechenden Angaben sitzen derzeit 18 weitere ihrer Landsleute in Saudi-Arabien im Todestrakt. Laut Schätzungen arbeiten insgesamt rund eine Million Indonesierinnen als Hausmädchen in dem Königreich.

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