Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

Blaine Milam
Blaine Milam

14.01.2019

Texas: Hinrichtungsaufschub für Blaine Milam

 

Ein texanisches Berufungsgericht hat die erste für die Vereinigten Staaten geplante Hinrichtung des Jahres 2019 einen Tag vor dem Vollstreckungstermin ausgesetzt und den Fall an ein untergeordnetes Gericht zurückverwiesen. Dort soll einerseits geprüft werden, ob die Feststellung von Bissspuren zum Aufweis der Täterschaft wissenschaftlich war, und andererseits, ob der Geisteszustand des 29-Jährigen dessen Hinrichtung rechtfertigt. Milam ist zum Tod verurteilt, weil er für den Tod des 13 Monate alten Kindes seiner Freundin im Jahr 2008 verantwortlich sein soll. Das Paar glaubte, der Säugling sei von Dämonen besessen und praktizierte einen Exorzismus, an dessen Folgen das Kind starb. Es wies zahlreiche Bisswunden auf und wurde offenbar mit einem Hammer erschlagen.

14.01.2019

China: Todesurteil für einen Kanadier

 

Ein chinesisches Gericht hat einen Kanadier wegen Drogenschmuggels zum Tod verurteilt. Das Gericht in der nordostchinesischen Hafenstadt Dalian hob das ursprüngliche Urteil auf, wonach der 36-jährige Robert Lloyd Schellenberg eine 15-jährige Haftstrafe verbüßen sollte. Eine höhere Instanz hatte das erste Urteil als zu milde beanstandet und ein höheres Strafmaß gefordert. Schellenberg wurde Berichten zufolge im Jahr 2014 in der Provinz Liaoning festgenommen. Ihm wurden Drogenschmuggel im größeren Stil und eine mögliche Verstrickung ins internationale organisierte Verbrechen vorgeworfen. Im November erging das Urteil auf 15 Jahre Haft und umgerechnet 19.000 Euro Bußgeld. Nach seiner Aussage kam er über einen Freund mit einem zwielichtigen Mann in Kontakt, der ihm als Übersetzer vorgestellt worden sei, über den er aber tatsächlich in einen internationalen Drogenschmuggelring hineingeraten sei. In China drohen überführten Drogenschmugglern entweder lange Haftstrafen oder die Todesstrafe.

13.01.2019

Iran: 17 Hinrichtungen in einer Woche in nur einem Gefängnis

 

Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) wurden am Morgen des 9. Januar 2019 mindestens zwölf Gefangene im Rajai-Shahr-Gefängnis der Stadt Karaj wegen Mordes hingerichtet. Bereits am 2. Januar sollen fünf Gefangene heimlich ebenfalls wegen Mordes im selben Gefängnis hingerichtet worden sein. Die iranischen Behörden haben diese Hinrichtungen bisher nicht offiziell bestätigt. Der Iran vollstreckt, umgerechnet auf die Einwohnerzahl, die meisten Todesurteile weltweit.

10.01.2019

Weißrussland verhängt erstes Todesurteil im neuen Jahr

 

Berichten zufolge hat der 36-jährige Alyaksandr A. seine beiden Opfer in einem Nachtclub in Babrujsk kennengelernt. Anschließend soll er der 27-Jährigen 77 Mal mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen haben. Die jungen Frauen hatte keine Chance. Ihre 26-jährige Freundin starb durch 16 Stichwunden an Hals und Kopf. Laut Gericht soll der Täter sogar geplant haben, die Körper seiner Opfer zu zerstückeln. Vor Gericht gestand der Mörder, die beiden Frauen ermordet zu haben. Er bat darum, nicht zum Tod verurteilt zu werden, damit er den Familien der Opfer eine Entschädigung zahlen könne. "Ich weiß nicht, was mich dazu bewogen hat", sagte Alyaksandr A.. "Ich bin ein freundlicher und sentimentaler Mensch. Ich bereue, was ich getan habe, und bitte alle, mir zu verzeihen." Doch seine Strafe scheint unumgänglich. Der sogenannte Hammermörder wurde zum Tod verurteilt. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das noch die Todesstrafe vollstreckt. Im Jahr 2018 wurden vier Männer hingerichtet. Alyaksandr A. ist der Erste, der in diesem Jahr verurteilt wird.

 

Weitere Informationen:

EU kritisiert Todesstrafe für Mörder in Weißrussland

08.01.2019

Somalia: Hinrichtung von al-Shabaab-Anhängern

 

Am Montag gab das somalische Militärgericht bekannt, dass zwei al-Shabaab-Anhänger in der Hauptstadt Mogadischu hingerichtet wurden. Bei den beiden Männern soll es sich um den 25-jährigen Hassan Ali Hassan sowie den 22-jährigen Abdirahman Isse Ali gehandelt haben. Beide Männer sollen der Terrororganisation al-Shabaab angehört haben und waren im November 2016 von der Polizei wegen des Mordes verhaftet und zum Tod verurteilt worden. Das Militärgericht in Somalia hat erst vor zwei Wochen zwei al-Shabaab Anhänger per Erschießungskommando hinrichten lassen. Somalia gehört zu den wenigen verbleibenden afrikanischen Staaten, in denen die Todesstrafe noch Anwendung findet.

Scott R. Dozier
Scott R. Dozier

05.01.2019

Nevada: Todestraktinsasse Scott Dozier nimmt sich offenbar selbst das Leben

 

Der 48-jährige im US-Bundesstaat Nevada zum Tod verurteilte Scott Raymond Dozier wurde am Samstag leblos in seiner Zelle aufgefunden und hat sich offenbar durch Erhängen das Leben genommen. Vor über zwei Jahren hatte er seine Berufungen aufgegeben und für seine Hinrichtung gekämpft. Immer wieder erklärte er, den Tod einem Leben im Gefängnis, das er als unwürdige Existenz ansah, vorzuziehen. Zweimal wurde die Vollstreckung seines Todesurteils aufgrund juristischer Kämpfe um die für die tödliche Injektion erforderlichen Chemikalien aufgeschoben, zuletzt im vergangenen Juli. Dozier befand sich über Monate isoliert in Einzelhaft, aber unter Suizid-Beobachtung. Kurz vor Weihnachten hatte er noch geäußert, nach einem 2004 missglückten Selbsttötungsversuch, nach dem er erst im Koma lag und später Wochen bewegungsunfähig im Rollstuhl saß, keinen weiteren Suizidversuch mehr unternehmen zu wollen.

 

Weitere Informationen:

Dozier says previous suicide attempt stops him from trying again

Dozier calls life on Nevada’s death row ‘a dishonorable existence’

03.01.2019

Chinesischer Serienmörder hingerichtet

 

In China ist ein als chinesischer "Jack the Ripper" bekannter Serienmörder hingerichtet worden. Das Gericht in der Stadt Baiyin in der nordwestlichen Provinz Gansu, das den 54-jährigen Gao Chengyong im März zum Tod verurteilt hatte, gab die Vollstreckung des Urteils am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Weibo bekannt. Chinas Oberstes Gericht hatte die Hinrichtung demnach zuvor genehmigt. Chengyong soll zwischen den Jahre 1988 und 2002 insgesamt elf Frauen und Mädchen vergewaltigt, verstümmelt und ermordet haben. Das jüngste Opfer war acht Jahre alt. Berichten zufolge war er den Opfern nach Hause gefolgt und hat einigen nach der Ermordung zusätzlich die Organe entnommen. Der Serientäter wurde erst vierzehn Jahre nach der letzten Tat gefasst. China vollstreckt weltweit die meisten Todesurteile, macht aber aus konkreten Zahlen ein Staatsgeheimnis.

03.01.2019

In Saudi-Arabien beginnt der Khashoggi-Prozess - Todesstrafe gefordert

 

Drei Monate nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi im Istanbuler Konsulat Saudi-Arabiens hat in dem Königreich der Prozess gegen elf Verdächtige begonnen. Zum Prozessauftakt in Riad forderte die Generalstaatsanwaltschaft am Donnerstag die Todesstrafe für fünf der Angeklagten, wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA meldete. Alle elf Angeklagten waren demnach mit ihren Anwälten im Gericht zugegen, doch wurde ihre Identität nicht bekanntgegeben. Khashoggi wurde am 2. Oktober 2018 im saudiarabischen Konsulat am Bosporus von einem extra angereisten 15-köpfigen Kommando erwürgt und anschließend zerstückelt. Die Leiche des 59-jährigen "Washington Post"-Kolumnisten wurde bis heute nicht gefunden. Laut Medienberichten wurde sie in Säure aufgelöst. Saudi-Arabien bestritt über Wochen die Tötung Khashoggis, bevor es unter internationalem Druck schließlich das Verbrechen einräumte. Nach Darstellung Saudi-Arabiens handelten die Täter auf Anweisung des inzwischen entlassenen Vize-Geheimdienstchefs Ahmed al-Assiri und des königlichen Medienberaters Saud al-Kahtani. Die Führung in Riad versichert, dass Kronprinz Mohammed bin Salman keine Kenntnis von dem Einsatz gehabt habe. Laut Medienberichten geht der US-Geheimdienst CIA aber davon aus, dass der 33-Jährige der eigentliche Verantwortliche ist.

03.01.2019

IS-Kämpfer aus der Schweiz von Todesstrafe bedroht

 

Irakische Truppen haben bei der Rückeroberung von Gebieten unter Kontrolle des selbst ernannten "Islamischen Staates" (IS) einen Mann aus der Schweiz gefangen genommen. Dabei handelt es sich um einen 24-jährigen Mann, der zuletzt in Arbon (TG) wohnhaft war. Er ist türkischer Staatsbürger, in der Schweiz zur Welt gekommen und hier aufgewachsen. Die irakischen Behörden machen ihm nun vor einem Spezialgericht in Bagdad den Prozess. Der Mann aus der Schweiz sei in einem Ausbildungslager in Syrien im Umgang mit Waffen geschult worden. Danach, so habe er selber ausgesagt, sei er in den Irak geschickt worden, wo man ihn gefragt habe, über welche Ausbildung er verfügte. "Ich sagte, dass ich im Bereich Strom und Elektrizität arbeitete", so seine Aussage gemäß der irakischen Justiz. Darauf folgte sein brisantes Geständnis: "Für neun Monate baute ich die Schaltkreise für Sprengladungen." Der Mann aus der Schweiz soll sich demnach als Bombenbauer des IS betätigt haben. Ihm droht nun die Todesstrafe.

02.01.2019

Erste Hinrichtungen des neuen Jahres in Saudi-Arabien

 

Saudi-Arabien hat am Dienstag einen Mann aus Pakistan namens Nizar Ahmad Qal Ahmad wegen Drogenhandels hingerichtet. Der Mann sei wegen des Schmuggels von Heroin zum Tod verurteilt gewesen, teilte das Innenministerium in Riad mit. Die Hinrichtung sei in Dschidda im Westen des erzkonservativen Königreichs ausgeführt worden. Zwei weitere Männer, die ägyptischen Staatsbürger Ataiwi Suleiman und Sobhi Ouda, wurden wegen Schmuggels von Cannabis exekutiert. Einen Tag später wurde ein saudischer Staatsbürger namens Ahmed bin Ali bin Samer al-Mutairi hingerichtet, der wegen Mordes zum Tod verurteilt war. Es waren die ersten Hinrichtungen in Saudi-Arabien im Jahr 2019. Im vergangenen Jahr sollen nach einer Mitteilung der saudischen Behörden insgesamt 125 Personen hingerichtet worden sein. Im Jahr 2017 waren es demnach 122 Menschen, im Jahr 2016 sogar 144. Zum Tod Verurteilte werden in Saudi-Arabien öffentlich entweder mit dem Schwert enthauptet oder erschossen.
Weitere Informationen:

SAUDI NATIONAL EXECUTED IN MADINAH FOR STABBING MAN TO DEATH

01.01.2019

AfD-Politiker Seitz möchte Streichung des Verbots der Todesstrafe

 

Der AfD-Bundestagsabgeordnete und frühere Staatsanwalt Thomas Seitz hat eine Aufhebung des Verbots der Todesstrafe im Grundgesetz angeregt. Unter Verweis auf die Wiedereinreise eines abgeschobenen Kameruners, der an Ausschreitungen in einem Asylbewerberheim beteiligt war, hatte Seitz am Wochenende in einem sozialen Netzwerk erklärt, für solche Fälle brauche man eine wirksame Abschreckung, und dafür dürfe eine Änderung des Artikels 102 des Grundgesetzes kein Tabu sein, der lautet: "Die Todesstrafe ist abgeschafft." Seitz betonte inzwischen, die Äußerung sei kein Ausrutscher, sondern ein bewusst erstellter und geplanter Beitrag gewesen. Weiter erklärte Seitz, nicht die Einführung der Todesstrafe gefordert zu haben, weil eine Änderung oder Abschaffung von Artikel 102 dafür nicht ausreichend sei. Schließlich, so Seitz, verstoße die Todesstrafe auch gegen Artikel 1 des Grundgesetzes und bedürfe einer "ausdrücklichen Einführung als zulässige Strafart" im Strafgesetzbuch. Es habe sich bei seiner Forderung um eine Provokation gehandelt. Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland distanzierten sich von Seitz. Tatsächlich ist die Todesstrafe nach überwiegender Meinung von Verfassungsrechtlern unvereinbar mit Artikel 1 des Grundgesetzes, der nicht geändert werden kann. Eine Wiedereinführung verstieße zudem gegen den Zivilpakt der Vereinten Nationen, die Grundrechtecharta der Europäischen Union und die europäische Menschenrechtskonvention.

 

Weitere Informationen:

Facebook sperrt Account von Thomas Seitz (AfD) nach Todesstrafe-Forderung

01.01.2019

Japan: Anschlag in Tokio angeblich wegen Todesstrafe

 

In der japanischen Hauptstadt Tokio hat ein Autofahrer Medienberichten zufolge in einer belebten Einkaufszone Fußgänger gerammt, mindestens neun Menschen wurden verletzt. Der Fahrer sei festgenommen worden und habe der Polizei gesagt, dass er einen Terroranschlag verüben wollte. Demnach bezeichnete der 21-Jährige die Tat als Rache für eine Hinrichtung und ließ nach dem Zwischenfall, der sich kurz nach Mitternacht ereignete, keine Reue erkennen. Gegen ihn wird nun wegen versuchten Mordes ermittelt. Unklar ist zunächst noch, ob sich die angebliche Wut des Mannes gegen eine einzelne Hinrichtung oder gegen das System der Todesstrafe an sich richtet. Als drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt gehört Japan zu den wenigen Industrieländern, die an der Todesstrafe festhalten. Erst vergangene Woche ließ die rechtskonservative Regierung zwei zum Tod verurteilte Mörder hinrichten.

 

Weitere Informationen:

Täter des Anschlags in Shibuya plante weitere Angriffe

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: Dezember 2018