Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

07.09.2018

Tennessee: Experte vermutet Hinrichtung unter Folter

 

Dr. David Lubarsky erklärt als Experte in einem Schriftsatz zum Hinrichtungsprotokoll des US-Bundesstaates Tennessee, er gehe davon aus, dass Billy Ray Irick, der im vergangenen Monat hingerichtet wurde, massive Schmerzen erlitten haben könnte, die an Folter grenzen. Indizien liefern seiner Aussage nach die Berichte von Augenzeugen, die darauf schließen lassen, dass das umstrittene Mittel Midazolam, das dem Delinquenten das Bewusstsein nehmen soll, versagt habe. Billy Ray Irick habe entsprechend das Gefühl des Erstickens oder Ertrinkens, eines Brennens und lebendig Begrabenseins, verursacht durch das als dritte Chemikalie verabreichte Kaliumchlorid erlebt. Lubarsky, ein Arzt aus Florida, hatte bereits im Juli in einem Prozess, den über 30 Gefangene wegen der Verwendung des Midazolam gegen Tennessee geführt hatten, erklärt, das Mittel wirke nicht wie vorgesehen. Statt den Hinzurichtenden bewusstlos zu machen, sodass er keine Schmerzen fühle, sediere es den Menschen nur und verhindere nicht, dass er die Wirkung der anderen beiden Medikamente, Vecuroniumbromid und Kaliumchlorid, spüre. Den Augenzeugen zufolge würgte, schnarchte, schluckte Irick und rang nach Luft, während die Medikamente verabreicht wurden. Sie sagten auch, er habe sich geschüttelt und schien an einem Punkt gegen die Fesseln zu drücken.

 

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06.09.2018

Saudi-Arabien: Prominentem Prediger droht Todesstrafe

 

Die saudische Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe für einen der bekanntesten Prediger des Landes. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und staatlichen Medien hat die Justiz in 37 Punkten Anklage gegen den Geistlichen Salman al-Awdah erhoben, unter ihnen Verbreitung von Zwietracht, Aufwiegelung gegen den König und Anführung einer Terrororganisation. Al-Awdah war im September letzten Jahres mit Dutzenden weiteren Geistlichen verhaftet worden. Seitdem landeten zahlreiche Aktivisten, Geschäftsleute und selbst Prinzen im Gefängnis. Beobachter und Menschenrechtler sehen hinter der Verhaftungswelle den jungen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der damit seine Macht festigen und Kritiker zum Verstummen bringen wolle. Dabei häufen sich in jüngster Zeit die Forderungen der Staatsanwaltschaft nach Todesurteilen. Im vergangenen Monat forderte die Anklage, fünf schiitische Aktivisten hinzurichten, unter ihnen erstmals eine Frau, die Aktivistin Isra al-Ghomgham. Wie Ghomgham und ihre Mitstreiter muss sich auch al-Awdah vor einem für Terrorismus zuständigen Sondergericht verantworten. Diverse Menschenrechtsorganisationen sehen in den Prozessen gegen die Aktivisten und den Geistlichen ein verheerendes Signal für Kritiker Saudiarabiens, das weiterhin eine absolute Monarchie ist.

03.09.2018

Hinrichtung in Saudi-Arabien

 

Wie das Innenministerium am Montag mitteilte, ist im Königreich Saudi-Arabien ein Mann in der Gegend von Asir hingerichtet worden. Es handelt sich um einen saudischen Staatsbürger namens Gibran bin Salem bin Joueid al-Qahtan, der einen anderen Mann aufgrund eines Streits zwischen beiden erschossen hatte. Saudi-Arabien wendet die Todesstrafe für eine Reihe von Straftaten an, darunter Mord, Drogendelikte, Homosexualität und Terrorismus. Nach Angaben von Amnesty International hat das saudische Königreich im Jahr 2017 mindestens 146 Todesurteile vollstreckt.

01.09.2018

Taiwan: Erste Hinrichtung seit über zwei Jahren

 

In Taiwan wurde am Freitag ein Todestraktinsasse hingerichtet. Es war die erste Hinrichtung unter der Präsidentschaft von Tsai Ing-wen. Lee Hung-chi wurde im Gefängnis der Stadt Kaohsiung durch eine Erschießungskommando exekutiert. Er war zum Tod verurteilt, weil er für schuldig befunden wurde, 2014 seine Ex-Frau und seine fünfjährige Tochter getötet zu haben. Seine Ex-Frau hatte er außerhalb des Kindergartens, den ihre zwei Töchter besuchten, erstochen, dann eine Tochter mit in seinen Wagen genommen, wo er einen Suizidversuch durch Kohlenmonoxid beging. Er überlebte, seine Tochter starb zwei Monate später an den Folgen der Vergiftung. Es war die erste Hinrichtung seit Mai 2016, nachdem Taiwan die Vollstreckung von Todesurteilen 2010 nach einer fünfjährigen Pause wieder aufgenommen hatte. Zurzeit befinden sich 42 Häftlinge im Todestrakt von Taiwan.

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