Speziell für Einsteiger in das Thema Todesstrafe

16.01.2017

26 Todesurteile in Bangladesch

 

Ein Gericht in Bangladesch hat 26 Menschen wegen Entführung und siebenfachen Mordes zum Tod verurteilt. Neun weitere wurden zu Gefängnisstrafen zwischen sieben und 17 Jahren verurteilt. Die meisten der Angeklagten waren Polizisten einer Anti-Terror-Einheit. Sie hatten im April 2014 sieben Menschen in der Stadt Narayanganj entführt und später ermordet. Laut Ermittlern soll die Tat politisch motiviert gewesen sein. Als Auftraggeber der Morde gilt Nur Hossain, ehemaliges Mitglied der regierenden Awami League und Stadtrat von Narayanganj. Er soll die Eliteeinheit der Polizei beauftragt haben, seinen Konkurrenten Nazrul Islam und vier seiner Mitarbeiter zu töten. Die fünf Männer wurden vor einem Cricket-Stadion entführt. Ein Anwalt, der die Tat filmte, und dessen Fahrer wurden ebenfalls gekidnappt. Alle sieben Opfer wurden drei Tage später ermordet in einem Fluss gefunden. Der Auftraggeber Hossain war nach der Tat nach Indien geflohen, dort aber verhaftet und nach Bangladesch ausgeliefert worden. Auch er wurde zum Tod durch Erhängen verurteilt.

15.01.2017

Drei Hinrichtungen in Bahrain - die ersten seit sechs Jahren

 

In Bahrain hat ein Erschießungskommando am Sonntagmorgen drei Männer hingerichtet. Sie waren wegen eines tödlichen Angriffs auf Polizeikräfte zum Tod verurteilt worden. Es handelt sich um die ersten Exekutionen seit 2010. Den Getöteten wurde zur Last gelegt, mit einem Bombenanschlag 2014 drei Polizisten, unter ihnen einen Beamten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), getötet zu haben. Die Verurteilten gehörten der schiitischen Bevölkerungsmehrheit an. Die Angeklagten, Sami Mushaima (42), Ali Al-Singace (21) and Abbas Al-Samea (27), waren im Februar 2015 zum Tod verurteilt worden. Vor der Hinrichtung wurde ein Antrag auf Berufung abgelehnt. Die Verurteilten hatten angegeben, sie hätten ihre Geständnisse unter Folter abgelegt. In der bahrainischen Hauptstadt Manama kam es vor den Erschießungen am frühen Sonntagmorgen zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und regierungskritischen Demonstranten. Das Königreich wird von einem sunnitischen Herrscherhaus regiert, die Staatsbürger sind jedoch mehrheitlich Schiiten.

 

Weitere Informationen:

Bahrain und die Menschenrechte

Christopher Wilkins
Christopher Wilkins

12.01.2017

Texas: Christopher Wilkins hingerichtet

 

Am Mittwochabend wurde im US-Bundesstaat Texas der 48-jährige Christopher Wilkins mit einer tödlichen Injektion hingerichtet. Er war zum Tod verurteilt, weil er 2005 zwei mit ihm befreundete Männer erschossen hatte. Einer der beiden hatte ihn bei einem Drogenkauf für die Summe von 20 Dollar übers Ohr gehauen und sich dann über ihn lustig gemacht, worauf Wilkins ihn erschoss. Das andere Opfer wurde von ihm als Zeuge aus dem Weg geschafft. Im Prozess gegen ihn bekannte Wilkins sich noch zu einem weiteren Mord. Außerdem erklärte er, es sei ihm egal, ob man ihn zum Tod verurteilen würde. Er habe schon seit seinem 12. oder 13. Lebensjahr unbewusst immer wieder versucht, sich das Leben zu nehmen bzw. getötet zu werden. Wilkins verzichtete auf ein letztes Statement, formte jedoch gegenüber den Opferangehörigen die Worte: "I'm sorry!"

11.01.2017

Somalia: Zwei Homosexuelle hingerichtet

 

Die islamistische Terrororganisation Al-Shabab hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erstmals in Somalia homosexuelle Männer hingerichtet. Über seinen Radiosender "Andalus" verkündete der ostafrikanische Al-Kaida-Ableger, dass ein 20- und ein 15-Jähriger erschossen worden seien, weil sie Geschlechtsverkehr gehabt hätten. Die Hinrichtung soll in der Stadt Buale in der von Al-Shabab kontrollieren Region Jubbada Dhexe stattgefunden haben. Hunderte Menschen hätten zugeschaut. Zuvor hatte laut "Andalus" ein Scharia-Gericht die beiden jungen Männer schuldig gesprochen. Gleichgeschlechtlicher Sex sei "unmoralisch und verwerflich", hieß es in der Meldung. Die Extremistenmiliz selbst behauptete, dass sie bereits zum zweiten Mal Menschen aufgrund ihrer Homosexualität töten ließ. Nähere Angaben über den ersten Fall machte sie jedoch nicht.

10.01.2017

South Carolina: Todesurteil für Charleston-Attentäter

 

Dylann Roof, der Attentäter von Charleston, ist von den Geschworenen eines US-Bundesgerichts zum Tod verurteilt worden. Roof hatte 2015 beim Gottesdienst in einer Baptistengemeinde im US-Bundesstaat South Carolina, zu der vor allem Afroamerikaner gehören, in die Menge geschossen und neun Menschen getötet. Er selbst bezeichnet sich als Rassist und hat sich zu der Tat ausdrücklich bekannt. Vor Gericht hatte der 22-Jährige keinerlei Reue gezeigt und darauf bestanden, sich selbst zu verteidigen. Roof hatte weder Zeugen benannt noch Beweise für seine Unschuld geliefert, lehnte sogar ein Gutachten zu seinem Geisteszustand ab, das ihm möglicherweise Schuldunfähigkeit attestiert hätte. Das von den Geschworenen festgelegte Strafmaß war erwartet worden: Vergangene Woche hatte der Chefankläger Nathan Williams die Todesstrafe für Roof gefordert. Im Dezember 2016 war der in 33 Punkten angeklagte Roof für schuldig befunden worden, unter anderem eines Hassverbrechens und des neunfachen Mordes. Nach Angaben des US-Justizministeriums ist er die erste Person, die von einem US-Bundesgericht wegen eines Hassverbrechens hingerichtet werden soll.

 

Weitere Informationen:

Kritik an Todesstrafe gegen Charleston-Attentäter

10.01.2017

Öffentliche Hinrichtungen im Iran

 

In Sarpol-e Zahab im Westen Irans sind am Sonntagmorgen zwei Häftlinge öffentlich gehängt worden. Rouhollah Koshtemad und Sajjad Zarsineh waren wegen "Kriegführung gegen Gott" (Moharebeh) angeklagt und zum Tod verurteilt. Konkret war ihnen bewaffneter Raub und der Mord an einem Polizeibeamten vorgeworfen worden. Bereits am Mittwoch zuvor sollen in diversen Gefängnissen Irans mehrere Häftlinge exekutiert worden sein.

 

Weitere Informationen:

Iran: 2 executed for 'waging war against God', 2 over drug charges

08.01.2017

Florida: Amok-Schützen von Fort Lauderdale droht die Todesstrafe

 

Nach der Erschießung von fünf Menschen auf dem Flughafen der Stadt Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida droht dem mutmaßlichen Täter die Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft habe mehrere Verfahren gegen den 26-jährigen Esteban Santiago eingeleitet, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf das Justizministerium. Zum einen werde dem Irak-Veteranen vorgeworfen, die Gewalttat auf einem internationalen Flughafen durchgeführt zu haben. Darüber hinaus habe er eine Waffe benutzt, um ein Gewaltverbrechen zu begehen. Santiago soll am Freitag an einer Gepäckausgabe auf dem Flughafen in Florida das Feuer eröffnet haben. Fünf Menschen waren sofort tot, sechs wurden verletzt in Krankenhäuser gebracht. Der Mann war von 2010 bis 2011 im Irak stationiert. Er war möglicherweise psychisch krank. Das FBI berichtete von offenbar wirren Äußerungen des mutmaßlichen Schützen bei einem bizarren Besuch in einem Büro der Bundespolizei im November.

 

Weitere Informationen:

Täter von Fort Lauderdale droht die Todesstrafe

06.01.2017

Florida ändert die vorgesehenen Hinrichtungsdrogen

 

Der US-Bundesstaat Florida hat ein neues Hinrichtungsprotokoll verabschiedet und will zukünftig andere Chemikalien für die tödliche Injektion verwenden. Darunter befindet sich ein Mittel, das noch nie, und eines, das erst einmal versehentlich bei Hinrichtungen genutzt wurde. Florida exekutierte bislang mit drei Wirkstoffen: Midazolam zur Narkose, einem Muskelrelaxans, das den Gefangenen lähmt, und Kaliumchlorid, das den Herzstillstand bewirkt. Da dem Staat Midazolam und Kaliumchlorid ausgehen, setzt man nun auf andere Mittel. Statt Midazolam will man zukünftig Etomidat verwenden und statt Kaliumchlorid soll Kaliumacetat zum Einsatz kommen. Letzteres wurde in Oklahoma einmal versehentlich statt Kaliumchlorid benutzt. Mit Etomidat gibt es bei Hinrichtungen noch überhaupt keine Erfahrungen. Seit Jahren haben viele US-Bundesstaaten Probleme bei der Beschaffung der Chemikalien für Hinrichtungen, weil Pharmafirmen sie nicht mehr zu dem Zweck liefern wollen. Midazolam ist ebenfalls umstritten, nachdem die einzigen beiden Exekutionen mit Midazolam und Hydromorphon in Ohio und Arizona extrem lange dauerten.

04.01.2017

Kalifornien: Erneuter Rückschlag für die Todesstrafe

 

Das neu angestrebte Hinrichtungsprotokoll in Kalifornien wurde durch eine Dienststelle des "Office of Administrative Law" (OAL) überprüft und zurückgewiesen, da es zu stark fehlerbehaftet sei. Nachdem der Oberste Gerichtshof in Kalifornien die Umsetzung der am 8. November 2016 in einem Volksentscheid gewählte "Proposition 66" gerade geblockt hatte, ist die ein neuerlicher Rückschlag für die Todesstrafe in Kalifornien. Das OAL erklärte in einem 25 Seiten starken Statement, dass das Protokoll nicht zu billigen sei, da es voller Unstimmigkeiten und Doppeldeutigkeiten sei, außerdem sei für bestimmte geplante Regeln die Begründung unzureichend. Unter anderem wird beklagt, dass der Zeitplan in den Tagen und Stunden vor einer Hinrichtung unklar sei und wie vorgegangen werden soll, wenn ein Häftling nicht sofort sterben sollte. Die Kalifornische Gefängnisbehörde hat nun vier Monate Zeit, das Protokoll neu zu bearbeiten und dem Gericht erneut vorzulegen. Seit 2006 hat in Kalifornien keine Hinrichtung mehr stattgefunden, obwohl über 700 Todeskandidaten in ihren Zellen warten.

04.01.2017

Iran: Sieben Hinrichtungen wegen Drogendelikten

 

Sieben Häftlinge, die wegen Drogendelikten zum Tod verurteilt waren, sind am 3. und 4. Januar gehängt worden. Vier Hinrichtungen fanden im Karaj Central Prison im Norden Irans statt, während die anderen drei Hinrichtungen im Karaj Ghezel Hesar Prison durchgeführt wurden. Am Montag wurden die Häftlinge in Einzelhaft überführt, als Vorbereitung auf die bevorstehenden Exekutionen. Irans offizielle Quellen, inklusive der Medien und der Justiz, haben Stillschweigen zu den sieben Hinrichtungen bewahrt. Weiterhin werden im Iran Menschen hingerichtet, die ihr Todesurteil wegen Drogendelikten verschiedenster Art erhielten, obwohl das Parlament erst kürzlich bekannt gab, vorerst auf Vollstreckungen solcher Urteile zu verzichten zu wollen.

02.01.2017

Kuwait: Todesurteil für Kindesmisshandlung

 

Ein Gericht in Kuwait hat ein Paar wegen der tödlichen Misshandlung seiner dreijährigen Tochter zum Tod verurteilt. Die Eltern wurden für schuldig befunden, das Mädchen so schwer geschlagen und misshandelt zu haben, dass es an den Folgen starb. Die Leiche des Kindes bewahrte das Paar anschließend eine Woche in einer Gefriertruhe auf. Der 26-jährige Vater und die drei Jahre jüngere Mutter waren wegen Mordes angeklagt worden, nachdem Ermittler Brandverletzungen an den Schultern und Beinen der Leiche entdeckt hatten. Medienberichten zufolge hatte das Paar seine Tochter misshandelt, weil sie viel geweint habe.

Nachrichten des Vormonats finden Sie im Archiv: Dezember 2016